Im Laufe der Jahre als freelancender Entwickler und Designer, habe ich einige Kontakte in der “Agentur-Szene” gemacht. Aus meiner Sicht haben sich dabei zwei Konzepte als erfolgsversprechend, sowohl für Kunden als auch Dienstleister, herausgestellt:

Kleine Bude mit sehr smarten Leuten, die Familie.
Zehn Leute, die wissen was sie tun, können von außen einen Konzern mit 100.000 Mitarbeiter:innen besser in die richtige Richtung schubsen als 100 Personen innerhalb eines Konzerns. Zehn Leute sind noch eine Familie, soziale Spannungen innerhalb der Company sind quasi ausgeschlossen. Jede:r weiß von Jede:m und die persönlichen Eigenheiten, die jeden von uns an manchen Stellen komisch werden lassen, können gut kaschiert, ertragen oder sogar geschätzt werden.
Der Stamm, bisschen größer, aber immer noch kein Dorf.
Bis 50 Leuten kann man von einem Stamm sprechen, man kennt alle aus dem Stamm, trotzdem kann man sich im Zweifel aus dem Weg gehen. Die Wege sind noch so klein, dass noch nicht aus jeder kleinen Anfrage ein Team-Meeting mit allen Stakeholdern einberufen werden muss, bei dem dann solange alle vermeintlichen Probleme, die vielleicht am Horizont irgendwann mal auftauchen können, kaputt geredet werden. Trotzdem muss man als Leader hier schon auf dem Schirm haben, dass es soziale Spannungen und unterschwellige Konflikte gibt, die - wenn sie nicht aus der Welt geräumt werden - sich so langsam wie eine Krebserkrankung durch den Organismus Agentur siechen. Die allgemeine Stimmung im Stamm wird dadurch immer schlechter und man weiß überhaupt nicht, wie das eigentlich passieren konnte und hier greift die Idee des Agentur-Opis:
Ich hörte von Geschäftsführer:innen immer das Gleiche. Alle hatten die gleiche Probleme. “Ich fühl mich hier wie im Kindergarten” und irgendwann dachte ich, dass hier einer hin muss, der mit allen gut redet, mal ein aufmunterndes Wort über hat oder einfach mit Lebenserfahrung auftrumpft: der Agentur-Opi. Einer, der am besten gar keine Ahnung hat von dem, was die FIrma eigentlich “wirklich” macht. Man könnte ihn Feel-Good-Manager nennen, aber das ist mir zu plump, weil es gar nicht darum geht, dass sich alle gut fühlen. Sondern viel mehr um eine Projektionsfläche, bei der man mal Dampf ablassen kann oder einen entscheidenden Rat von außen erhält, den man innerhalb der Agentur-Bubble nicht bekommen würde.
Außerdem soll Agentur-Opi einmal die Woche für alle Suppe kochen, damit alle zusammenkommen können in der Mittagspause, um miteinander zu kommunizieren. Darüber hinaus kann Agentur-Opi Dinge “abräumen”, die irgendwie immer liegen bleiben. Vielleicht war er im ersten Leben Handwerker und kann neben sozial wichtigen Gesprächen auch das Whiteboard nochmal richtig aufhängen oder… oder… oder… Es gibt schließlich immer was zu tun. #Yippieyaaahyayippieyippieyay
Ich platzierte die Idee mal hier mal da, immer wenn sich im Gespräch das “Kindergarten-Problem” offenbarte. Irgendwann bekam ich aus heiterem Himmel eine Nachricht aus Düsseldorf:
Hey Pepo,
wir haben diesen Monat Rolf bei uns eingestellt. Rolf ist 61, war früher Schreiner - hat dann aber wegen sehr viel Pech und psychischen Schwierigkeiten fast alles verloren.
Er kümmert sich nun um unser Büro, kocht einmal die Woche und macht alles, was so anfällt. Er ist sozusagen die gute Seele.
Ich möchte dir für deinen Denkanstoß danken, den du das letzte Mal, als du hier warst in diese Richtung gegeben hast. Ich fand das damals schon sehr gut beobachtet und jetzt haben wir mit Rolf tatsächlich genau so jemanden gefunden. Rolf ist MEGA glücklich und ich werde berichten, wie es so weiter geht.
Das ist etwa 1 Jahr her und Rolf arbeitet immer noch dort. Alle sind mit der Position zufrieden. Das Konzept ist voll aufgegangen.
Aus Business-Perspektive ist das eigentlich ein No-Brainer, die meisten in Frage kommenden Kandidaten sind Frührentner und dürfen/können gar nicht so viel Geld nebenher verdienen. Es ist maximal eine Teilzeitstelle und in vielen Fällen reicht auch schon ein Mini-Job.
Falls der Agentur-Opi auch für euch in Frage kommt, lasst es mich wissen, ich würde mir wünschen mit diesem Post zur Verbesserung eures Arbeitsklimas beigetragen zu haben. Es ist nämlich gar nicht so schwer. Agentur-Opi macht das schon, denn Agentur-Opi ist eine sozialpsychologische Wunderwaffe!
Ihr erreicht mich per E-mail agentur.opi@pepo.digital oder via Twitter @derPepo